Ursula Fechter: „Aus der Coronakrise lernen“

Einfluss der Corona-Pandemie in Teilen an Fluglärmmessstationen sichtbar
21. April 2020
Lärmwahrnehmung der Bürger während der Coronazeit
21. April 2020

Ursula Fechter: „Aus der Coronakrise lernen“

Von der Bedeutung weniger Flugbewegungen für unsere Gesundheit

Frankfurt am Main, 21. April 2020 – „Eine drastische Reduktion von Umweltstressoren wird Herzkreislauferkrankungen reduzieren, da hoher Lärm und hohe Luftverschmutzung zu einer deutlich schlechteren Überlebenswahrscheinlichkeit führt – insbesondere, wenn man schon herzkrank ist“, so neuere Befunde von Thomas Münzel, Chefarzt der Kardiologie der Universitätsklinik Mainz. Gerade für die Postcoronazeit fordert er, die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch am Frankfurter Flughafen einzuhalten: „Im Falle eines Wiederhochfahrens des Flugbetriebes, müssen die WHO-Grenzwerte für Tag- und Nachtfluglärm berücksichtigt werden. Auch die viel zu hohen Grenzwerte für Feinstaub in Europa (25μg/m3) müssen auf ein von der WHO gefordertes Maß (10μg/m3) eingehalten werden“.
Ursula Fechter, ständige Vertreterin des Oberbürgermeisters Peter Feldmann zum Thema Fluglärmschutz: „Klar ist, dass nach der Coronakrise die Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen wieder ansteigen werden. Ich will aber nicht zurück in die sogenannte Normalität. Ich möchte anregen, bisherige Geschäftsmodelle des Flughafens zu überdenken. Die Pandemie hat nämlich gezeigt: vor allem zahlreiche Businessflüge können gespart und stattdessen über Telefon- und Videokonferenzen umgesetzt werden. Auch Inlandsflüge sind unnötig“, sagte Fechter, die seither die Gesundheitsrisiken und CO2-Auswirkungen auf den Klimawandel unterstreicht. Hier liegt eine Chance für die Zukunft.

Aktuell ist der Flugbetrieb in Frankfurt am Main sehr eingeschränkt. Vor allem im März sind die Flugbewegungen deutlich zurückgegangen. Dieser Rückgang wirkt sich allerdings auf den monatlichen Dauerschallpegel (Mittelwert) noch nicht sehr deutlich aus. Grund dafür ist der extrem starke Rückgang der Flugbewegungen, der erst in der zweiten Märzhälfte stattfand. An der städtischen Messstation in Sachsenhausen (Wilhelm-Beer-Weg) ist von Februar auf März 2020 ein Rückgang am Tag (6 bis 22 Uhr) um knapp drei Dezibel feststellbar. Die Anzahl der besonders schädlichen hohen Einzelschallereignisse an dieser Station ist dabei deutlich zurückgegangen: Wurden beispielsweise am 06.03.2020 noch 230 Überflüge in Sachsenhausen registriert, waren es am 27.03.2020 nur noch 15 Flugbewegungen. Im April 2020 ist vorauszusehen, dass sich die Reduzierung des Dauerschallpegels weiter verdeutlichen wird.

Auch die Bürger im Frankfurter Süden bemerken diese Veränderung. So sagte Anwohner Wolfgang Heubner: „Wenn die Corona-Krise nicht wäre, könnte man von einer Traumsituation sprechen… Die Anzahl der Flugbewegungen pro Tag ist von ca. 1.400 auf jetzt weniger als 200 Flugbewegungen gesunken. Insbesondere auch durch die Stilllegung der Landebahn Nordwest ist es im Frankfurter Süden nochmals deutlich ruhiger geworden. Wir können unseren Garten am Haus genießen, ohne ständig unsere Gespräche wegen des Fluglärms unterbrechen zu müssen. Auch ist es ein viel angenehmeres Gefühl, morgens vom Gezwitscher der Vögel geweckt zu werden, anstatt jeden Tag kurz vor fünf Uhr durch ein mit z. T. über 80 Dezibel überfliegendes Flugzeug aus dem Schlaf gerissen zu werden.